Führungskräfte zu Verbündeten machen: Wie Nachhaltigkeitsverantwortliche das Rückenwind-Problem lösen

Du trägst Verantwortung für Nachhaltigkeit und stehst damit oft allein. Die Strategie steht, die Ziele sind formuliert, aber im Alltag passiert zu wenig. Ein Hauptgrund ist fast immer derselbe: Führungskräfte sind noch keine echten Verbündeten. Dabei sind sie der entscheidende Hebel, damit Nachhaltigkeit vom Strategiepapier in den Arbeitsalltag kommt. Hier erfährst du, warum das so ist, was die Forschung dazu sagt und was du ganz konkret tun kannst, um das zu ändern.

von Charlotte Clarke, 15. Juni 2026 um 13:15
© Daniel Lulac
Kernaussagen
  • Führungskräfte sind der entscheidende Hebel: Erst wenn Führungspersonen Nachhaltigkeit sichtbar vorleben und in Entscheidungen einbinden, wird das Thema im Team ernst genommen.
  • Strukturen schlagen Inspiration: Ohne Zielvereinbarungen, klare Rollen und Ressourcen verpufft selbst der beste Workshop wirkungslos.
  • Nachhaltigkeitsziele gehören in die variable Vergütung: 10-30 % ESG-Kopplung auf mittlerer Führungsebene schaffen echte Anreize zum Handeln.
  • Führungskräfte brauchen eigene Formate: Geschützte Peer-Runden und spezifische Workshops erzeugen mehr Verbindlichkeit als gemischte Veranstaltungen mit allen Mitarbeitenden.
  • Top-down und Bottom-up gleichzeitig wirkt am stärksten: Aktive Green Teams erzeugen positiven sozialen Druck auf Führungskräfte und beschleunigen die Verankerung im Alltag.

Kennst du das?

Du bist Nachhaltigkeitsverantwortliche:r und hast einen Workshop zur Sensibilisierung organisiert. Die Energie im Raum war spürbar, die Diskussion lebendig. Drei Wochen später ist vom Schwung allerdings nichts mehr übrig.

Warum? Weil die Führungskraft beim nächsten Abteilungsmeeting das Thema mit keiner Silbe erwähnt hat. Weil Nachhaltigkeit weiterhin als „Add-on“ gilt und nicht als Teil der eigentlichen Arbeit.

Ich erlebe das immer wieder: Die Geschäftsführung hat die Strategie abgesegnet. Führungskräfte antworten: „Ja, super wichtig!“ Und trotzdem landen Nachhaltigkeitsinitiativen am Ende auf dem Schreibtisch einer einzigen Person, nämlich deinem.

Die gute Nachricht ist: Das lässt sich ändern, nicht sofort und schnell, aber mit Geduld und den richtigen Hebeln schon.

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Warum Führungskräfte der Dreh- und Angelpunkt sind

Führungskräfte sind wichtige Player in der Nachhaltigkeitstransformation, die du dir zu Verbündeten machen kannst. Der Grund ist simpel: Sie entscheiden darüber, was in den Teams wirklich zählt.

Mitarbeitende beobachten sehr genau, wie ihre direkte Führungskraft mit Themen umgeht:

  • Redet sie darüber? Fragt sie nach?
  • Gibt sie Ressourcen frei?
  • Bindet sie Nachhaltigkeit in Zielgespräche ein?
  • Sind nachhaltige Aspekte Kriterien für die Entscheidungsfindung?

Lauten die Antworten auf diese Fragen “Nein”, dann ist die implizite Botschaft eindeutig: Das ist kein wichtiges Thema.

Die Forschung bestätigt das. Sarah Rietze und ihr Team (Universität Leipzig, 2025) zeigen: Führungskräfte können das Umweltverhalten ihrer Mitarbeitenden auf zwei Wegen beeinflussen – direkt durch ihr sichtbares Verhalten und indirekt über die Gestaltung von Strukturen, Zielen und Rahmenbedingungen. Beide Wege wirken. Beide Wege brauchst du.

Warum es trotzdem so oft hakt

Führungskräfte stehen in der Regel unter (Zeit-)Druck. Ihr Fokus liegt auf Geschäftszahlen, Personalfragen, operativen Herausforderungen. Nachhaltigkeit kommt für sie on top.

Dazu kommt: Viele wissen gar nicht, wie sie das Thema in ihren eigenen Verantwortungsbereich übersetzen sollen. Was hat Nachhaltigkeit mit dem Tagesgeschäft der Vertriebsleiterin zu tun? Oder mit dem Produktionsleiter?

Dahinter liegt kein böser Wille, vielmehr mangelt es oft an Konkretisierung und fehlenden strukturellen Anreizen. Genau hier kannst du ansetzen.

Was Organisationen leisten müssen: Vier Rahmenbedingungen

Die Erfahrung zeigt: Der beste Workshop verpufft, wenn die Organisation den falschen Rahmen setzt. Führungskräfte brauchen mehr als Inspiration – sie brauchen Strukturen, die nachhaltiges Handeln möglich machen und belohnen.

1. Eine Nachhaltigkeitsstrategie, die Führungskräften eine Rolle gibt

Viele Nachhaltigkeitsstrategien definieren Ziele für das Unternehmen, allerdings legen sie nicht fest, was genau Führungskräfte dabei tun sollen. Wenn Führungskräfte nicht wissen, welchen konkreten Beitrag sie leisten können, warten die meisten ab oder delegieren das Thema weiter.

2. Nachhaltigkeit in Zielvereinbarungen und Vergütung

Das ist der wirksamste strukturelle Hebel überhaupt. Was gemessen und belohnt wird, wird auch getan. Und die Praxis großer Unternehmen zeigt, dass es funktioniert:

  • Siemens Energy: 20 % der langfristig variablen Vorstandsvergütung sind an ESG-Ziele gekoppelt.
  • Telekom: Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß fließen direkt in die variable Vergütung der Vorstandsmitglieder ein.

Für mittlere Führungsebenen gilt dasselbe Prinzip. Experten empfehlen: 10–30 % der variablen Vergütung sollten an ESG-Ziele gekoppelt sein, um einen echten Anreiz zu schaffen. Auch Prozessziele wirken: Hat die Führungskraft Ressourcen für Nachhaltigkeitsmaßnahmen freigegeben? Hat sie an einem Workshop teilgenommen und Commitments formuliert?

3. Eine klare Rollendefinition: Was bedeutet Green Leadership konkret?

Viele Führungskräfte wissen schlicht nicht, was von ihnen erwartet wird. Die Wissenschaft spricht hier von „Green Leadership“, einer Führungsrolle, die ökologische Nachhaltigkeit aktiv in den Arbeitsalltag integriert.

Konkret bedeutet das: Führungskräfte fördern Innovation im eigenen Team, unterstützen Kompetenzaufbau, kommunizieren aktiv über Nachhaltigkeitsziele und machen eigene Entscheidungen transparent. Das kannst du sichtbar machen.

4. Ressourcen und Zeit

Führungskräfte brauchen Budget für Maßnahmen im eigenen Bereich, Zeit für Weiterbildung und Peer-Austausch sowie Zugang zu Unterstützung, wenn sie nicht weiterkommen. Ohne diese Ressourcen bleibt auch die engagierteste Führungskraft auf dem Stand der guten Absichten.

Aktivitäten und Formate

Eigene Workshops für Führungskräfte

Das ist einer der wichtigsten Punkte: Führungskräfte brauchen ein eigenes Format, nicht zusammen mit allen Mitarbeitenden. Warum? Weil der Schutzraum entscheidend ist:

  • Führungskräfte sprechen offener über Widerstände, Unsicherheiten und Interessenkonflikte, wenn keine Hierarchie-Ebene im Raum ist.
  • Die Konkretisierung auf den eigenen Verantwortungsbereich gelingt gezielter.
  • Gegenseitige Verbindlichkeit entsteht leichter in der Peer-Gruppe.

Wirksame Inhalte: Was bedeutet Nachhaltigkeit für meinen Bereich? Was erwarten Kund:innen, Regulatoren und Talente? Was tue ich selbst konkret? 90 Minuten können reichen, wenn sie gut designed sind. Ein Beispiel dafür ist der Workshop von GreenShift „Nachhaltigkeit als Chance“.

Peer-Learning zwischen Führungskräften

Soziales Lernen ist wirksamer als externe Expertise. Die Forschung bestätigt: Führungskräfte, die hören, was Kolleg:innen bereits umsetzen, ändern ihr eigenes Verhalten häufiger als nach Fachvorträgen. Regelmäßige Runden (monatlich oder quartalsweise, 60 Min.) mit Erfahrungsaustausch und Green Champions als interne Vorbilder. Das sind Formate, die ohne großes Budget funktionieren.

Bottom-up-Effekte nutzen: Mitarbeitende als Katalysatoren

Ein oft unterschätzter Hebel: Nicht nur Führungskräfte inspirieren Mitarbeitende. Es funktioniert auch andersherum. Mitarbeitende, die sich engagieren, stellen Fragen, bringen Ideen ein und erzeugen über Zeit sozialen Druck auf ihre Führungskraft.

Das bedeutet: Ein aktives Green Team in einer Abteilung ist nicht nur Ziel der Aktivierung, sondern auch Katalysator für die Führungskraft. Top-down und Bottom-up gleichzeitig ist der wirksamste Weg.

© Daniel Lulac

Was du als Nachhaltigkeitsverantwortliche:r konkret tun kannst

Jetzt kommt die entscheidende Frage: Wie kannst du auf all das Einfluss nehmen, wenn du weder Führungskraft bist noch Personalentscheidungen triffst?

Du hast mehr Möglichkeiten, als du vielleicht denkst. Aber es braucht Strategie, Geduld und manchmal auch unkonventionelle Wege.

Die Sprache der Geschäftsführung sprechen

Wenn du Zielvereinbarungen mit Nachhaltigkeitsbezug für Führungskräfte einführen willst, musst du zuerst die Geschäftsführung überzeugen. Das gelingt nicht mit Ökosystem-Argumenten, sondern mit Geschäftsargumenten:

  • Welche regulatorischen Anforderungen kommen auf euer Unternehmen zu (Verpackungsverordnung, Lieferkettensorgfaltspflicht, ESG-Reporting)?
  • Welche Kosten entstehen, wenn NH nicht in der Organisation verankert wird?
  • Was machen Wettbewerber? Haben Kunden bereits NH-Anforderungen formuliert?

Warte nicht darauf, dass die Geschäftsführung oder HR von alleine auf die Idee kommt. Entwickle einen konkreten Vorschlag für 2-3 messbare Nachhaltigkeitsziele, die in bestehende Führungskräfte-Zielvereinbarungen integriert werden könnten, zum Beispiel:

  • „Nachhaltigkeit in mindestens zwei Mitarbeitergesprächen pro Jahr aktiv ansprechen“
  • „Mindestens eine Nachhaltigkeits-Maßnahme im eigenen Bereich initiieren und dokumentieren“
  • „Am Führungskräfte-Nachhaltigkeits-Workshop teilnehmen und eigene Commitments formulieren“

Führungskräfte-spezifische Formate selbst initiieren

Du musst nicht auf die perfekte Strukturlösung warten. Starte mit dem, was möglich ist:

  • Einen 90-Minuten-Workshop für Führungskräfte anbieten, mit dem klaren Versprechen: konkrete Arbeit am eigenen Bereich.
  • Eine Führungskräfte-Runde im Anschluss an ein bestehendes Meeting beantragen: 30 Minuten reichen für einen ersten Erfahrungsaustausch.
  • Eine:n Green Champion unter den Führungskräften finden: eine Person, die bereits aktiv ist und bereit ist, als Vorbild sichtbar zu werden.

Mitarbeitende als Katalysatoren einsetzen

Ein starkes Green Team erzeugt positiven sozialen Druck auf Führungskräfte. Wenn Mitarbeitende aus einer Abteilung aktiv werden, stellen sie Fragen, die die Führungskraft beantworten muss – und damit sichtbar macht, ob sie das Thema ernst nimmt.

Nutze das bewusst: Baue zuerst unten auf, damit der Druck von innen wächst. Top-down und Bottom-up gleichzeitig. Das ist das wirksamste Modell für nachhaltige Transformation.

Erfolge sichtbar machen und Führungskräfte damit in Szene setzen

Führungskräfte, die Nachhaltigkeitsmaßnahmen unterstützen, wollen das auch wahrgenommen wissen. Nutze interne Kommunikationskanäle, um konkrete Beiträge sichtbar zu machen – das ist keine Schmeichelei, sondern eine wirksame Strategie zur Motivation und Multiplikation.

Was GreenShift dazu beitragen kann

Das klingt alles nachvollziehbar und trotzdem ist die Umsetzung im Alltag oft schwerer als gedacht. Als Nachhaltigkeitsverantwortliche:r hast du meistens keine formale Macht, aber du hast Einfluss. Genau dabei unterstützt dich GreenShift.

Workshop „Nachhaltigkeit als Chance“: Für Führungskräfte: In 90 Minuten erkennen Führungskräfte, was Nachhaltigkeit konkret für ihren Bereich bedeutet und formulieren eigene Commitments. Kein Frontalvortrag – sondern ein Arbeitsformat, das Verbindlichkeit erzeugt.

GreenShift People Power: Programm für Nachhaltigkeitsverantwortliche: Das Online-Programm gibt dir die Tools und den Umsetzungsrahmen, den du brauchst, um Führungskräfte zu aktivieren – mit Strategie, Sparring und Community.

Green Team: Der zweiteilige Workshop unterstützt dich dabei, ein Green Team in deiner Organisation zu gründen und somit Bottom-up-Bewegung zu erzeugen.

Mehr Infos unter www.greenshift.site.

Fazit: Nachhaltigkeit verankern ist ein Marathon

Nachhaltigkeit in Organisationen zu verankern ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Den solltest du nicht alleine laufen.

Führungskräfte zu Verbündeten zu machen ist einer deiner wirksamsten Hebel. Es braucht die richtigen Rahmenbedingungen – Strategie, Ziele, Rollen, Ressourcen. Es braucht wirksame Formate wie Workshops, Peer-Learning, Bottom-up-Bewegung. Und es braucht dich: mit Strategie, Geduld und dem Mut, auch unkonventionelle Wege zu gehen.

Und jetzt?

  • Nutze den offenen Austausch für Nachhaltigkeits-Verantwortliche von GreenShift um dich mit Gleichgesinnten auszutauschen und von konkreten Erfahrungen zu lernen.
  • Informiere dich über den Workshop „Nachhaltigkeit als Chance“, die Gründung von Green Teams und das Programm GreenShift People Power.
  • Oder schreib direkt: gise.ruprecht@greenshift.site. Ich mache dein Anliegen zu meiner Herzenssache.

Über die Autorin

© Daniel Lulac
Gise Ruprecht ist Gründerin von GreenShift und Lernexpertin mit über 20 Jahren Erfahrung in der Gestaltung von Lernprozessen und der Begleitung von Veränderungsprozessen in Organisationen. Sie unterstützt Nachhaltigkeitsverantwortliche und Organisationen dabei, Nachhaltigkeit wirksam in den Arbeitsalltag zu integrieren – mit Workshops, Programmen und individuellem Sparring.

www.greenshift.site | gise.ruprecht@greenshift.site | LinkedIn




Quellen:

© 2026 Gise Ruprecht / GreenShift. Alle Rechte vorbehalten. Der Autorin verbleiben sämtliche Nutzungsrechte an diesem Artikel. Die Erstverwertung erfolgt durch nachhaltigejobs.de. Eine Zweit- oder Weiterverwertung, insbesondere die Veröffentlichung in anderen Medien, auf anderen Plattformen oder in eigenen Publikationen, ist der Autorin ausdrücklich vorbehalten.

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